Montag, 16. Dezember 2013

Krippenspiel

Immer Montags möchte ich versuchen, euch ein bisschen von unserem Leben mit einem autistischen Kind zu erzählen. Dieses sind ausschließlich persönliche Eindrücke. Bitte übertragt unsere Begebenheiten nicht auf alle Autisten. Jeder Autist ist anders. Genau wie wir anderen.


Dieses Jahr war die Klasse des großen Jungen an der Reihe, das Krippenspiel für den Weihnachtsgottesdienst der Schule auszurichten. Keiner von uns hätte vermutet, dass ihn das interessiert. Vielleicht war es der Anreiz, dass auch die kleine Schwester in einem Krippenspiel mitwirken wird, vielleicht das gute Gefühl, Teil der Klassengemeinschaft zu sein ( in der er sich sehr, sehr wohl fühlt)- auf jeden Fall wollte er eine der Hauptrollen spielen. Natürlich freute ich mich für ihn, jedoch war ich auch sehr skeptisch. Mein Junge war nämlich der Meinung, er müsse gar nichts auswendig lernen, er könne ja mit dem Textzettel auf die Bühne gehen.
In der Schule wurde dann fleißig geübt, auch zu Hause gingen wir ein Mal den Text durch und schwupp, er konnte alles auswendig.


Faszinierend, wie immer. Dann beschloss er, dass er doch lieber nur die Zweitbesetzung sein wolle ( dabei hatte er richtig, richtig gut gespielt, erzählte mir seine Schulassistentin).
Die letzte Woche war trotzdem sehr aufregend. Seine Klasse probte ganz viel das Stück und sie gingen dafür auch in die Kirche. Zwischendurch fuhr die ganze Schule in die Großstadt um sich ein Theaterstück anzusehen. Zuhause wusste der große Junge gar nicht wohin mit all seiner Aufregung. Das war für uns alle sehr schwer.
Zudem war klar, dass seine Schulassistentin am Tag des Krippenspiels nicht dabei sein konnte und ich würde mitkommen, zusammen mit der kleinen Schwester. Wie aufwühlend.
Einen Tag vor dem Krippenspiel wurde die Erstbesetzung dann krank und wir wussten nicht, ob der große Junge nun spielen muss oder doch nicht. Puh.

Doch alles war gut. Er hätte seinen Text gekonnt, doch die Erstbesetzung war wieder da.
Mein Junge stand die ganze Zeit auf der Bühne, als Statist. Mucksmäuschenstill, eingereiht neben seinen Klassenkameraden, in der übervollen Kirche. Neben dem Taufbecken, an dem er vor einem Jahr getauft wurde. Auch der Pastor war derselbe, welch Glück.
Die Klassenlehrerin saß im Publikum, der Große konnte sich nur an der Religionslehrerin orientieren und ich war wirklich etwas bange, ob das gut geht.

Wie konzentriert er da oben stand, die vielen Zuschauer machten ihm kaum etwas aus.
Da war die Woche wieder richtig gut. So vieles ist ein Wunder, wenn man seine Entwicklung rückblickend betrachtet. Vor zwei Jahren hätte er nicht mal die Kirche betreten.

1 Kommentar:

  1. Ich kann mir irgendwie richtig vorstellen wie du da bangend gesessen hast:-D Schön das es so positiv verlaufen ist und dein Großer da so super konzentriert mitgewirkt hat. Und auch wenn er nicht gespielt hat, kannst du trotzdem sehr stolz auf ihn sein!

    Liebe Grüße
    Sissy

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