Freitag, 4. Oktober 2013

Abgestillt

Stillbeziehungen sind etwas ganz besonderes. Viel zu oft sind sie unbefriedigend und anstrengend. Immer wieder höre und lese ich von Müttern, bei denen das Stillen nicht so geklappt hat wie sie es sich vorgestellt hatten.
Auch ich gehörte dazu.
Für mich brach eine Welt zusammen, als das Stillen bei meinem ersten Kind nicht klappte. Darauf war ich nicht vorbereitet. Für mich war es das natürlichste der Welt und es war mir nicht einmal bewusst, dass es so etwas wie Stillprobleme gibt.
Analysen meinerseits, warum es nicht klappte, was alles schief lief und womit ich schlecht beraten wurde, gibt es genug. Seit 8,5 Jahren verarbeite ich das.
Und es hat mich sehr geprägt, es hat mich offen werden lassen für Frauen, die nicht stillen. Denn auch mit meinem Flaschenkind hatte ich eine innige, körpernahe Beziehung.
Dennoch...in meinen Augen war ich immer eine Stillmutter.
Beim zweiten Kind konnte ich mich durchsetzen, Fehler vermeiden. Aber ich war auch Angstbehaftet. Schaffe ich es diesmal? Kann ich das überhaupt?
Und als mein Töchterlein trank, so einfach und unkompliziert, da kam ich mit mir in`s reine.
Doch ich war sehr verkopft. Ich wollte ja dieses Mal alles richtig machen. Ich hielt mich an Vorgaben wie "aber höchstens alle 1,5h stillen! Und mindestens 20 Minuten!". Ich machte mir wieder Stress damit, alles richtig zu machen, zwischendurch noch abzupumpen, usw.
Dann spielte meine Schilddrüse wieder nicht mit und alles wurde immer schwerer.
Es war eine tolle Stillbeziehung, aber sie endete leider auch nach 8 Monaten weil mein Töchterlein nicht mehr wollte. Und nachts durchschlief.

Und jetzt, nach 16 Monaten mit dem Zwerg, schreibe ich wieder einen Abstillpost. Dieses Mal habe ich intuitiv gestillt. Immer wenn der Zwerg es wollte und so lange wie er wollte.
Nun ist unsere Stillbeziehung zu Ende. Und ich trauere. Obwohl es lange war. Doch ich hätte gerne weitergestillt, denn gerade in den letzten Monaten, als das stillen wirklich nur noch reines Vergnügen und nicht mehr ständige Verfügbarkeit war, da war es so schön. So freiwillig.


Aber der Zwerg, auch er schläft seit ungefähr 10 Monaten durch, wollte nur noch morgens stillen in den letzten Monaten. Tagsüber gab es zu viel zu entdecken für ihn.
Kuschelig war das, wunderschön. Morgens gemeinsam aufwachen und erstmal wachstillen. Während mein Mann die beiden anderen Kinder fertig machte.
Ein wunderschönes Ritual.

Doch seitdem mein Mann in der Frühschicht arbeitet, bin ich morgens mit den Kindern allein. Drei Kinder, die fertig gemacht werden müssen damit vor allem das Schulkind pünktlich aus dem Haus kommt. Da war keine Zeit mehr für gemütlich stillen. Und am Frühstückstisch wollte der Zwerg nicht stillen.

Meine Hoffnung war, dass wir dann am Wochenende weiter stillen. Aber das wollte der Zwerg dann nicht mehr. Auch als er krank war und ich ihm die Brust anbot, hatte er kein Interesse mehr.
Nach 16 Monaten kann ich wohl sagen, dass das für ihn dann der richtige Zeitpunkt ist.


Aber ich, ich hätte gerne weiter gemacht.
Dennoch bin ich versöhnt mit mir. Ich konnte die Vorstellung leben, die ich seit Jahren von mir hatte.


Und der Zwerg, der braucht jetzt nur noch meine Hand zum "fummeln", immer knibbelt er daran herum wenn er müde ist. Einschlafen geht nur mit Händchen halten. Auch das ist wunderschön und ich genieße es. Bis er es nicht mehr braucht.

3 Kommentare:

  1. Das sind die Momente, in denen das wahr wird, was wohl gemeint ist, mit dem Wurzeln geben und doch die Freiheit zum Fliegen lassen...
    alles Liebe für dich!!!! maria

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  2. Ach ich kann dich verstehen. Ich habe das Vergnügen erst seit knapp vier Wochen, aber es ist wirklich so wunderschön... So innig... Ich liebe es!
    Die Fotos von euch sind übrigens ganz bezaubernd. Herzerwärmend!

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  3. ... so lieb ....
    ich habe auch so gerne gestillt, es war so innig! Und mein 1.Kind hat wie bei Dir auch nicht mitgemacht, er war ein Flaschenkind! Damals war es auch noch die Zeit wo sogar Hebammen nicht so fürs Stillen waren! (Wahrscheinlich kennt das Deine Mama ja auch :-), oder?)
    Die beiden Jüngsten hab ich sooo lang gestillt, es war einfach wunderschön!

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