Immer Montags möchte ich versuchen, euch ein bisschen von unserem Leben mit einem autistischen Kind zu erzählen. Dieses sind ausschließlich persönliche Eindrücke. Bitte übertragt unsere Begebenheiten nicht auf alle Autisten. Jeder Autist ist anders. Genau wie wir anderen.
Das Verhältnis zwischen den beiden Jungen zu beschreiben, ist schwierig. Als der Zwerg zur Welt kam, interessierte das den großen Jungen nicht so sehr. Er fand nur das Geschrei schrecklich und meistens brüllte er gleich mit. Ansonsten ignorierte er den kleinen Wurm. Manchmal suchte er seine Nähe, weil er wusste, dass ich das schön finde und weil er es sich bei seiner Schwester abguckte, die immerzu mit dem kleinen Bruder schmuste.
Der Zwerg merkte schnell, dass er den großen Bruder nicht so anfassen darf wie seine Schwester. Er ist sehr vorsichtig, er küsst ihn nicht und berührt ihn nur selten. Meistens guckt er uns dabei vorher an. Und er beobachtet den großen Bruder genau.
Mittlerweile möchte der Große öfter mit dem Kleinen spielen. Das sieht dann aber eher wie Ärgern aus. Oder sie flitzen auf Fahrzeugen durch unseren großen Flur. So richtig miteinander spielen können beide nicht, eher nebeneinander her. Und der Große wird sehr schnell übermütig, so dass Unfälle nicht selten sind.
Einmal hat der große Junge ein Hindernis aufgebaut und den Zwerg dazu animiert, darüber zu kletten. Es war zu gefährlich, ich hatte wenige Sekunden nicht aufgepasst. Der Zwerg lag mit angerissenen Lippenbändchen auf dem Boden und das viele Blut erschreckte uns alle.
Da war der große Junge zum ersten Mal richtig betroffen und verstand, dass der kleine Bruder wirklich noch klein ist. Seitdem ist er etwas vorsichtiger.
Manchmal helfe ich der Bruderbeziehung etwas nach, mache Vorschläge. Dass der große Junge dem Kleinen ja etwas vorlesen könne zum Beispiel. Da ist der Kleine aber eher skeptisch, denn er vertraut dem großen Bruder nicht. Und er darf ihn ja nicht berühren.
Deshalb ist so ein Foto wie oben eine Seltenheit.
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