Montag, 4. November 2013

Seine Kunst

Dass unsere Tochter am liebsten den ganzen Tag malt und bastelt, ist bekannt. Unzählige Gemälde entstehen jeden Tag (momentan am liebsten Prinzessinnen mit langen Kleidern, Kronen und Kussmund). Schon an ihrem ersten Geburtstag saß sie malend am Tisch, völlig intuitiv eignete sie sich eine optimale Stifthaltung an und malte, malte, malte.
Der große Junge jedoch tut sich sehr schwer damit. Malen war schon immer ein Graus für ihn. Basteln noch schlimmer. Während unsere Tochter jeden Tag einen vollen Rucksack mit selbstgemachten Dingen aus dem Kindergarten nach Hause schleppt, habe ich vom Großen vielleicht 3,4 gebastelte Werke aus drei Jahren Kindergartenzeit, die ich wie einen Schatz hüte.

Ja, ein Schatz ist alles, was er selbst erschafft und so wird es auch von uns gewürdigt. Ich freue mich wie eine Schneekönigin wenn er stolz etwas selbst erschaffenes aus seiner Schultasche zieht.
Abgesehen davon, dass es für ihn sinnfrei ist, etwas zu malen oder zu basteln, wenn er damit keine Botschaft vermitteln will- so merkt er doch einfach, wie ungeübt er ist und dass er nicht das Ergebnis erreichen kann, dass er als Bild in seinem Kopf hat. Vielleicht ein weiteres Paradoxon des Autismus. Er tut nur das, was für ihn Mittel zum Zweck ist. Und dann soll es perfekt sein.



Sein momentanes Lieblingsthema sind Atomkraftwerke. Zu Beginn stellte er viele Fragen zu dem Thema und er war sich sicher, dass Atomkraftwerke verdammt blöd sind und er frage sich, wie bescheuert die Menschen denn sind, dass sie so etwas bauen.
Doch dann- und das ist Nachteil am Patchworkfamilienleben- guckte er bei seinem Papa die Serie mit der gelben Familie. Und seitdem - keiner weiß wieso- ist Homer sein Held, weil er in einem Atomkraftwerk arbeitet.
Seit einigen Wochen hält diese Begeisterung nun an. Er baut sich Atomkraftwerke aus Tassen, gefüllt mit heißem Wasser, damit es ordentlich daraus dampft, sein Berufswunsch ist "Atomkraftarbeiter" und in den Ferien möchte er gerne ein Atomkraftwerk besichtigen. ^^
Hust.
Ich versuche es, seinen Wünschen gegenüber wertfrei und dennoch authentisch zu bleiben.
Sein gemaltes Atomkraftwerkt wird gebührend bewundert- zumindest das ist das Gute an seinen durchaus speziellen Interessen- dass sie eine Kreativität in ihm frei werden lassen.
Ein weiterer Schritt auf seinem Weg.



2 Kommentare:

  1. Toll!!!! <3 (die Herzchen in den Augen denkst du dir bitte dazu) ;)

    AntwortenLöschen
  2. Ja das solche Werke dann etwas ganz besonderes sind glaube ich gern. Hat er echt toll gemacht.

    Liebe Grüße
    Sissy

    AntwortenLöschen