Immer Montags möchte ich versuchen, euch ein bisschen von unserem Leben mit einem autistischen Kind zu erzählen. Dieses sind ausschließlich persönliche Eindrücke. Bitte übertragt unsere Begebenheiten nicht auf alle Autisten. Jeder Autist ist anders. Genau wie wir anderen.
Diesen Titel "Autismus am Montag" schrieb Elisabeth mir letztens in einem Kommentar und ich fand ihn sehr passend, Danke!
Gestern Abend war eine Situation, die mir wieder einmal das Herz ganz weit öffnete für den großen Jungen.
Er hatte das Wochenende gemeinsam mit seiner Schwester bei der Oma verbracht. Das war eine Premiere und ich war vorher etwas skeptisch gewesen, wie das mit den zwei Streithähnen klappt. Und vor allem wie das mit dem Schlafen funktioniert, denn beide mussten in einem Bett schlafen.
Doch alles war gut und meine Mutter berichtete mir sogar, dass die Kinder ohne Licht schliefen. Das war Zuhause bisher undenkbar, da brauchen beide Nachts ihre Festbeleuchtung.
Als wir wieder alle zu Hause waren, krachte es gewaltig zwischen den Geschwistern- für den großen Jungen war es wieder einmal sehr schwer, sich zu akklimatisieren, diese Umstellungen sind immer furchtbar für ihn.
Nun ja, es eskalierte wieder ziemlich, mit zerstörtem Spielzeug vor lauter Verzweiflung, etc. In diesen Momenten kann und will der große Junge nur alleine sein, das haben wir über die Jahre verstanden. Auch wenn mein Mutterherz ihn dann nur halten und trösten will- zu einem gewissen Zeitpunkt ist selbst das zu viel für ihn.
Nachdem er sich ausgewütet hatte, brachten wir ihn in`s Bett und löschten auch das Licht. Er war stolz darauf gewesen, dass er bei der Oma kein Licht gebraucht hatte in der Nacht.
Nach einer halben Stunde etwa ging ich wieder in sein Zimmer. Das habe ich mir so angewöhnt, da er gerne bis spät in die Nacht liest und immer wieder Erinnerungen braucht, dass Schlafenszeit ist. Ich wollte gestern auch gerne noch einmal nach ihm gucken, weil die Situation vorher ja sehr schwierig war.
Ich fand ihn weinend in seinem Bett vor, den Kopf in den Armen vergraben. Ein sehr seltener Anblick, denn der große Junge zeigt selten so seine Traurigkeit.
Ich tröstete ihn, streichelte und kraulte ihn und er erzählte, dass er bei der Oma nur im Dunklen schlafen konnte, weil ja seine Schwester dabei war. Und nun vermisste er sie. Und er konnte das vorhin nicht sagen, weil er so furchtbar durcheinander gewesen war.
Und nun kam er nicht einmal auf die Idee, das Licht wieder anzumachen. So große Angst hatte er.
In diesem Moment tat er mir so leid. Und ich schämte mich auch, dass ich das nicht gemerkt hatte, dass er doch mit Licht hatte schlafen wollen.
Insgeheim freute ich mich aber auch ein klein wenig, dass er sagen konnte, dass er seine Schwester lieb hat.
Er beruhigte sich dann auch ganz schnell und schlief gut ein, mit Licht.

Habe deinen Blog zufällig entdeckt .. geschaut .. gelesen ..
AntwortenLöschenbei diesem Post bin ich hängen geblieben .. hat mich tief berührt und staunend gemacht ..
großartig und mutig das gibt es nicht oft hier im Netz.
Da komme ich gerne wieder zu Besuch .. D A N K E .