Die Weihnachts- und Silvesterzeit erscheint mir jedes Jahr wie ein Loch. Ein Zeitloch, in das ich, getrieben vom vorweihnachtlichen Deko/Geschenke/Seelenstress, an Heiligabend heineintaumel. Dann, wenn ich es noch gar nicht begreifen kann, dass tatsächlich schon wieder der Abend gekommen ist, auf den alles seit den frühesten Kindheitserinnerungen hinfiebert. Der Moment, den nun meine Kinder erwarten weil sie wissen, dass es Geschenke für sie gibt (und glücklicherweise wissen sie auch, warum Weihnachten eigentlich gefeiert wird). Im Laufe des Tages wähne ich mich noch im Stress, packe gehetzt die letzten Geschenke ein, fühle mich so überhaupt nicht weihnachtlich weil kaum etwas von dem, was ich mir unter einem gemütlichen Fest vorstelle, umgesetzt ist und draußen 10Grad plus auch keine winterliche Atmosphäre schaffen.
Jedes Jahr ist es so, mal mehr, mal weniger. Mit Grusel denke ich an das letzte Weihnachtsfest zurück, als wir minus 14 Grad hatten und die Heizung ausfiel, immer wieder, tagelang.
Und dieses Jahr, da war etwas anders. Abgesehen von dem Stress, den ich mir selber machte, gab es einen Fixpunkt, an den wir alle uns zu halten hatten. Einen Termin, wo feststand: ja, jetzt ist Weihnachten.
Mein Mädchen war Teil des Chores beim dörflichen Krippenspiel.
Seit zwei Monaten übte sie die 10 Lieder voll Enthusiasmus und sie konnte es kaum erwarten, ihren Auftritt zu haben. Und so waren wir alle gewissermaßen gezwungen, es zu wagen, und den Weihnachtsgottesdienst mit einem wuseligen Kleinkind zu besuchen.
Selbst der große Junge wollte dabei sein und seine Schwester auf der Bühne sehen. Er wollte sich sogar besonders schick machen und bat mich, ihm ein Hemd und eine Krawatte zu geben. Erstaunlich, wie Kinder einfach umschalten können. Eben noch das ewig streitende Geschwisterpaar, plötzlich fügen sie sich in zwei völlig neue Rollen ein. Der Junge, der die Tage vor Weihnachten nur meckerte, dass Weihnachten ausfallen solle, dem war auf einmal alles am wichtigsten.
Und der Weihnachtsgottesdienst, das war so etwas wie ein Wunder. Mein Mädchen war 1,5 Stunden lang auf der Bühne, sang und posierte wie ein Profi vor der prall gefüllten Festscheune. Mein großer Junge saß alleine in der vordersten Kinderreihe, ohne Blockkontakt zu uns Eltern.
Der Zwerg wuselte von einem Schoß zum anderen, langweilte sich ein wenig, aber auch er hielt die lange Zeit durch. Das Krippenspiel war herzallerliebst, die Chorsänger gaben ihr Bestes und überall sah man stolze Verwandte. Doch zum Schluss erstaunte mich wieder einmal mein besonderer Junge am allermeisten.
Als die Zuschauer am Ende des Krippenspiels klatschten, da sprang er auf und jubelte seiner kleinen Schwester zu. Als einziger wagte er das und ich weiß nicht, wer von uns beiden sich mehr freute darüber.
Die Weihnachtstage, das Eintauchen in das Zeitloch, wurden möglich weil der Mann das erste Mal seit dem Sommer frei hat. Eine Woche nur Wir. Eine Woche Entspannung für mich. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet. Völlig unverhofft kam der Anruf, dass er zwischen den Tagen nicht arbeiten müsse.
Welch ungewohntes Gefühl der Freiheit für mich. Ein Luftschnappen im Alltag, ein Versinken im Tagvergammeln. Entspanntes Spiel mit den Kindern und viel Zeit, die neuen Spielsachen auszuprobieren.
Zeit für Ausflüge, für neues Essen und neue Hobbies (dazu wann anders mehr).
Zeit für meine Vorhaben in 2014, Zeit zum Denken und Spüren.
Zeit für Cocktails am Abend, für ewig langen Spielbesuch vom neuen Nachbarn.
Zeit für mich, herauszufinden was mir wirklich wichtig ist.
Nun schnuppere ich schon wieder ein wenig Luft von oben, vom Alltag. Morgen werde ich mühsam aus dem Zeitloch herauskrabbeln. Der Alltag erwartet uns, Termine und Wochenendschicht. Schulbeginn und Arbeitsbeginn für mich.
Vieles muss noch erledigt werden, womit ich mich schwertue.
Doch ich fühle mich leichter, ein wenig seelisch gesundeter und gewappnet für das neue Jahr.
Und als ich am Grab des Sohnes meiner Freundin stand, fühlte ich wieder, wieviel es in diesem Leben zu umarmen gibt für mich.



Das freut mich für euch, dass ihr so eine tolle Woche haben dürft. Ich kann gut nachfühlen wie es dir geht, denn mein Mann ist auch zu Hause (wie du weißt, bin ich sonst auch viel allein mit den Kindern) und es tut wirklich soo gut mal nicht immer präsent sein zu müssen, sondern auch mal Luft zu schnappen.
AntwortenLöschenSüße sah eure Maus aus im Krippenspiel, unser Großer spielte einen Hirten, das war auch ganz toll:-D
Ich wünsche euch ein ganz tolles 2014 und vielleicht wird es mit der Weihnachtsstimmung nächstes Jahr etwas besser. Ich habe mich dieses Jahr gezwungen alles früh vorzubereiten, das hat mir total geholfen nicht allzu sehr in Stress zu verfallen.
Liebste Grüße
Sissy
Soooo schöne Fotos! Und bin beeindruckt von Euren Baby-Kinderklamotten. Hachz! Hast bestimmt eine Menge davon selbst genäht, was? Wollte Dich eh mal fragen, ob wir Schnittmuster tauschen sollen? Ich hab einen Dropbox-Ordner, wo ich meine alle drin habe. Liesse sich leicht teilen. ;)
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