Samstag, 13. September 2014

Das erste Telefonat

Gestern Nachmittag rief mich der Wohngruppenleiter an. Er erzählte, dass es dem großen Jungen wirklich gut gehe und er so stabil sei, dass wir am Abend miteinander telefonieren könnten. Und der Freitag Abend sei dann auch immer unsere wöchentliche Telefonzeit.
Ich war so überrascht, dass ich so schnell mit ihm telefonieren darf, dass ich gleichzeitig lachen und weinen wollte.
Da der große Junge allerdings sehr ungern telefoniert, hatte ich keine großen Erwartungen an das Telefonat. Ich freute mich einfach nur, seine Stimme hören zu können. Als Mama kann man so ja schon viel über die Stimmungslage des Kindes erfahren.
Ach, dann war ich richtig aufgeregt!
Und es war so schön!
Der große Junge sagte gleich, dass er uns vermisst (das hat er noch nie gesagt!) und dass er in der ersten Nacht geweint habe. Da musste ich hart schlucken, denn irgendwie hatte ich das gespürt, dass die eine Nacht schwer für ihn war und ich hatte ihm ganz viele gute, kraftvolle Gedanken geschickt.
Dann fing er gleich an loszusprudeln, was er alles schon erlebt hat, was er mit den anderen Jungen spielt, dass die Schule gut sei und noch vieles anderes. Wunderbar.
Als mein Mann am Telefon war, alberten sie herum und hinterher erzählte ich dem großen Jungen noch ein paar lustige Sachen,die Hund und Katze diese Woche angestellt hatten. Da musste er so laut lachen.
Als die Telefonzeit um war, legte er auch sofort auf- er wollte mit seinen Mitbewohnern einen Film gucken.

Kurz danach rief mich der Wohngruppenleiter noch einmal an und fragte nach,wie es gelaufen sei. Das fand ich sehr gut und ich konnte auch nochmals ein paar Fragen stellen.
Insgesamt hat mich das Telefonat zwar sehr aufgewühlt, aber mein Gefühl ist insgesamt sehr positiv.
Es geht ihm gut dort und das ist das wichtigste.
Er ist dort abgelenkt und von Menschen umgeben,die sich gut um ihn kümmern.
Die Lücke, die er bei uns lässt, müssen wir anderen aufarbeiten. Damit leben lernen.
Manchmal gehe ich einfach in sein Zimmer- traurig gestimmt durch die Leere. Und auch voller Hoffnung, dass er unser Leben nun anders füllt.

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