Montag, 22. September 2014

Kleine Schätze

Immer wieder begegnen mir kleine Schätze vom großen Jungen. Unverhofft tauchen sie auf, ohne dass ich gesucht hätte.
Er mochte es nie so gerne, etwas kreativ zu gestalten. Und wenn, dann hat er es für sich gemacht. Sehr, sehr selten hat er etwas für mich gemalt und es mir dann auch geschenkt.
Diesen Sommer malte er gerne Comics. Weil er seit einiger Zeit schon die uralten Comics meines Mannes verschlingt, Abend für Abend. Weil er dort die Emotionen versteht,so deutlich wie sie gezeichnet sind. Irre kaputt gelacht hat er sich über die fulminanten Katastrophen und Explosionen.
Gerade ist mir beim Aufräumen ein Teil seines Comics wieder in die Hände gefallen. Und obwohl ich jedes Mal weinen muss wenn ich das Bild sehe, habe ich es aufgehängt. Diese Schätze bedeuten mir viel mehr als Fotos von ihm.
Seine alte Schulassistentin brachte mir noch in der Ferienzeit Werkstücke aus Ton vorbei, die der große Junge in der Schule gemacht hatte. Davon hatte er nie etwas erzählt.
Nun sind diese kleinen Kostbarkeiten in mein Bücherregal eingezogen. Ich bin so erstaunt, was er erschaffen hat.
Ach, wenn es nicht so weh tun würde, all das zu sehen.
Ich habe die Hoffnung, dass irgendwann eine Gewöhnung eintritt. Über zwei Wochen ist er nun schon weg und es fühlt sich gleichzeitig wie ein kurzes Fingerschnippen und wie eine Ewigkeit an.

1 Kommentar:

  1. Kleine Schätze ... ganz gross, für Dich!
    Seltsam, auch Robert sagt nie was er gemacht hat. Auch von ihm gibt es Werkstücke aus Ton hier, die er so kommentiert: "Ach, die glaub ich hab ich mal in der Schule gemacht!" ... mehr nicht. Kein Stolz, keine Aufmerksamkeit mehr.
    Liebe M, geh kleine Schritte. Denke nicht so sehr über das Ganze nach. Denke an heute,
    an diesem Tag ist er in der Wohngruppe. Spür in Dich ob Du es ahnst was er gerade tut. Lass Dir per Telefon ganz viel erzählen, was er spricht, macht ... etc. NIcht von ihm, von den Betreuern. Sie werden das tun, sie spüren doch auch wie schwer Dir das Herz ist.
    Er hat Dich lieb, ganz fest. Er kann es nur nich so zeigen wie unsere anderen Kinder.
    Lass Dir und auch ihm Zeit für die Umgewöhnung. Und wenn es in der Ferne noch immer kein gutes Gefühl für Dich ist, wenn Du merkst, so darf es nicht sein, dann kannst Du andere Wege einleiten.
    lass Dich umarmen, im Gedanken
    Elisabeth

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